Verhandlungsfreie Zeit nach § 222 ZPO ab 24. Dezember: noch … Tage. Welche Notfrist sie hemmt – und welche nicht. Rechenweg ansehen →
Die Geschichte hinter LexTailor – und hinter allen Tailors

Es begann mit einer Scheidung. Einer strittigen.

Eine Wegweisung an einem Freitagabend. Eine einstweilige Verfügung, ein Kontaktverbot, ein Rekurs. Und danach mehr Schriftsätze, als ein Mensch im Kopf behalten kann – jeder mit einer etwas anderen Version derselben Abende. Und dann, bei der Pickerl-Überprüfung, ein schwarzes Kästchen unter dem Firmenbus. Das ist die Geschichte eines Mandanten, nennen wir ihn Lukas, der mit sieben Ordnern zu uns kam. Und die Geschichte der Werkstatt, die daraus LexTailor gebaut hat.

Beilage ./A – sieben Ordner. Ordner 5 enthält Seite 212.

01Wer ich bin

Every life counts. Nicht 999 von 1.000.

Bevor ich Software gebaut habe, habe ich zwei Berufe erlernt, in denen es keine 99,9 % gibt: Linienpilot bei Austrian Airlines und Fluglotse bei Austro Control. Die Aufnahmetests für beide gehören zu den schwersten der Welt – der DLR-Test in Hamburg mit seiner Durchfallquote nördlich von 98 %, das mehrtägige Assessment bei Austro Control, in dem Menschen erfahren, wie belastbar sie wirklich sind. Zehntausende bewerben sich, ein paar Dutzend kommen durch. Ich habe beide bestanden.

IQ misst, wie schnell jemand denkt. Der Cockpit-Test misst, wie ruhig jemand bleibt, wenn die Anzeige rechts oben schon fünf Sekunden lang etwas Falsches meldet und man es als Erster merken muss. In der Fliegerei zählt das zweite. Und über allem steht ein Prinzip: Es zählt jedes Leben. Every life counts. Nicht 999 von 1.000. Alle.

Ob das eine Berufs-Pose oder ein Betriebssystem ist? Als ich im Herbst 2025 nach dreißig Jahren Pause wieder mit Tennis begonnen habe, habe ich mir einen Trainer gesucht, der jahrzehntelang ATP-Top-10-Spieler betreut hat. Nicht, weil ich auf die Tour will – sondern weil ich, wenn ich etwas ernst nehme, wissen will, wo mein Deckel wirklich ist.

02Zu Hause

Drei Kinder, ein Vater, kein Autopilot.

Ich bin alleinerziehender Vater von drei Kindern. Die beiden Jüngeren sind im Schulalter, der Älteste ist volljährig. Wer das kennt, weiß: Es gibt keinen Dienstplan, der hält, und keinen Tag, der so endet, wie er geplant war. Man lernt, Prioritäten in Sekunden zu setzen – und sie am nächsten Morgen neu zu sortieren.

Mein ältester Sohn ist schwer behindert. Er lebt mit einem seltenen Gendefekt, einer Mikrodeletion. Er hat mir mehr über Geduld, Verlässlichkeit und das Wesentliche beigebracht als jedes Assessment und jedes Projekt.

Meine drei Kinder sind mein Lebensmittelpunkt und meine Motivation – jeden einzelnen Tag.

Wenn ich „Every life counts“ sage, ist das kein Satz aus dem Cockpit mehr. Es ist Alltag. Und es ist der Grund, warum ich Software baue, die Menschen Zeit zurückgibt – Zeit, die woanders dringender gebraucht wird.

Mein Leben hat sich durch all das massiv verändert. Ich bin noch strukturierter geworden, als ich es aus dem Cockpit gewohnt war – und genau deshalb passt in die frühen Morgenstunden, bevor das Haus aufwacht, jeden Tag eine Stunde Sport: Kettlebell, Rope Skipping, Boxen. Nicht trotz der Verantwortung, sondern wegen ihr.

Ich bin überzeugt: Das Wichtigste ist die tägliche Routine.

Große Ziele erreicht man nicht mit großen Tagen, sondern mit vielen gewöhnlichen, die verlässlich gleich beginnen. Genau so bauen wir Software: Sie soll die tägliche Routine tragen – unspektakulär, verlässlich, jeden Tag –, damit für das Unplanbare Kopf und Zeit bleiben.

Never give up.
The sky is the limit.

Mein Motto. Kein Poster an der Wand – eine Entscheidung, jeden Morgen.

03Ein Satz in Hamburg

Wie aus KSIC die CloudDNA wurde.

Ich habe die CloudDNA vor über zehn Jahren gegründet – ursprünglich nicht unter diesem Namen. Ich kam von SAP, wo ich Jahre in einem der größten Softwarekonzerne der Welt verbracht hatte. Ein sicherer Hafen. Ich habe ihn trotzdem verlassen.

Am Anfang stand ein sperriger Name: die KSIC GmbH – Koch Security, Integration and Cloud Consulting. Vier Buchstaben, die niemand aussprechen konnte. Die Rettung kam bei einem Abendessen in Blankenese, Hamburg, in einem Fischlokal an der Elbe. Mein alter SAP-Kollege Jörg hörte sich zum dritten Mal meine Erklärung an, hob das Glas und sagte einen einzigen Satz:

„Martin, du hast die Cloud in deiner DNA.“

Zwei Wochen später hieß die KSIC GmbH nicht mehr KSIC. Mit dabei war damals schon Daniel, mein erster Mitarbeiter – auf seiner allerersten Dienstreise. (Den Steinbutt, Daniel, tut mir bis heute leid.)

Angefangen haben wir in einem winzigen Büro in Oberwart. Heute sitzen wir in der ehemaligen Raiffeisenbank in Loipersdorf, mitten in der Thermen- und Weinregion Südburgenland, und schöpfen aus zwei Talentschmieden, die man auf keiner Weltkarte findet: der HTL Pinkafeld und der FH Burgenland. Aus dem Duo ist ein Team von 24 Menschen geworden, und wir haben siebzehn Bücher bei SAP Press veröffentlicht – immer aus der Praxis, nie aus dem Marketing.

04Der Umbruch

Individualsoftware war ein rotes Tuch. Bis 2023.

Ich habe die CloudDNA aufgebaut, um für Konzerne SAP-Integrationen zu bauen – schwere Software, in Monaten getaktet. In dieser Welt mied man Individualsoftware wie der Teufel das Weihwasser: zu teuer, zu langsam, zu riskant.

Dann kamen die Sprachmodelle.

Mir wurde klar: Das ist keine graduelle Verbesserung, das ist der Umbruch, der unser Handwerk umschreibt. Also habe ich mich selbst hingesetzt und Software gebaut – nachts, am eigenen Editor, mit denselben Werkzeugen, die ich meinem Team empfehle. Man kann niemandem mit einer PowerPoint erklären, wie KI-gestützte Entwicklung funktioniert. Man muss es vorleben.

Was früher drei Monate und ein sechsstelliger Betrag war, geht heute in Wochen. Nicht, weil Programmierer zaubern, sondern weil Copiloten die Fleißarbeit übernehmen und Entwickler wieder werden, was sie sein sollten: Handwerker mit Kopf.

05Wir bauen das

Von „We deliver“ zu „Wir bauen das“.

Über zehn Jahre lang hieß unser Versprechen „We deliver“: Ein Kunde beschreibt, wir liefern. Das hat uns groß gemacht. Aber es hat eine Grenze: Wer nur liefert, was bestellt wird, baut selten das, was gebraucht wird.

Deshalb bauen wir uns um. Aus Beratern und Entwicklern werden Forward Deployed Engineers und Product Owner. Forward deployed heißt: Sie sitzen dort, wo das Problem entsteht – in der Hausverwaltung, im Weingut, in der Kanzlei – und bauen vor Ort. Product Owner heißt: Sie bleiben, bis es gelöst ist, und verantworten das Produkt, nicht das Ticket.

We deliverWir bauen das
LastenheftDatenprobe mit echten Daten
Ticket erledigtProblem gelöst
Monate bis zum ersten ErgebnisWochen, im Pilot neben dem Altsystem
Übergabe am ProjektendeVerantwortung danach
Berater beim KundenForward Deployed Engineer und Product Owner

„Wir bauen das.“ Drei Wörter, die man einem Kunden nur sagen darf, wenn man sie auch meint.

06Wir sprechen KI

In der KI-Blase und vor allem draußen.

In der KI-Blase reden alle über Modelle, Benchmarks und Agenten. Draußen – bei der Hausverwalterin mit tausend Tops, beim Winzer im Südburgenland, beim Wirt mit zwanzig Tischen – zählt eine andere Frage: Spart mir das morgen eine Stunde, und kann ich mich darauf verlassen?

Wir übersetzen zwischen diesen Welten. Wir bauen täglich mit Claude von Anthropic und sind auf dem besten Weg, Partner von Anthropic zu werden. Aber was beim Kunden ankommt, ist kein Modell, sondern ein Ablauf, der funktioniert:

  • Die KI schlägt vor, ein Mensch entscheidet. Mehr Selbstständigkeit gibt es erst nach bestandener Probezeit.
  • Jede Aktion steht im Prüfpfad. Was die KI getan hat, lässt sich nachlesen.
  • KI muss sich rechnen. Eigener Schlüssel, feste Kostengrenze je Mandant.
  • Daten bleiben, wo sie hingehören. Mandanten bis in die Datenbank getrennt.

Anthropic und Claude sind Marken der Anthropic PBC. Die Nennung beschreibt unsere Arbeitsweise.

07Die Familie der Tailors

Maßgeschneidert statt Standard mit hundert Kompromissen.

Statt nur über KI-gestützte Entwicklung zu reden, haben wir Branchen ausgesucht, die ich gut genug kenne – oder in denen ich Freunde habe, die mir das Problem so lange erklären, bis es sitzt. Jeder Tailor teilt mit seinen Geschwistern dasselbe Fundament, aber spricht die Sprache seiner Branche:

  • ImmoTailor – für Hausverwaltungen und Projektentwickler, weil sich dort Buchhaltung, Technik und Portale besonders oft im Weg stehen.
  • JournalTailor – für die Kreditorenbuchhaltung vor SAP, BMD und DATEV, weil ich in SAP-Projekten zu oft gesehen habe, wie Rechnungen abgetippt werden, obwohl die Buchung dahinter längst Routine ist.
  • DocumentTailor – für SAP-Häuser, weil ich selbst fünfzehn Jahre lang Formulare auf den SAP Adobe Document Services gebaut habe und die Nachfolgefrage nicht länger unbeantwortet lassen wollte.
  • RecordTailor – für alle, die ein DMS brauchen, das nicht nur speichert, sondern liest – weil ich zu oft gesehen habe, wie jemand heimlich Excel öffnet, weil das DMS zu langsam ist.
  • TaxTailor – für Steuerkanzleien, weil ein Freund mir bei einem Glas Wein von seinem Windows-Terminal-Server erzählt hat.
  • DineTailor – für die Gastronomie, weil ich seit Jahren an fremden Tischen sitze und Champagner an Wirte verkaufe.
  • StayTailor – für die Hotellerie, weil die Thermenregion voller Betriebe steckt, die sich unter dem Konditionen-Diktat der Portale ducken.
  • MeetingTailor – für Sitzungen und Gremien, weil Stiftungsräte, Gemeinderäte und Vereinsvorstände in meinem Freundeskreis immer wieder dieselbe Nachtszene beschreiben.
  • Weintailor – für Winzerinnen und Winzer, weil wir mitten in einer Weinregion sitzen und jede zweite Reise ohnehin zur Weinreise wird.
  • BuildTailor – für Bau und Handwerk, weil Mängel, Pläne und Regieberichte auf der Baustelle entstehen – nicht im Büro.
  • LexTailor – für Rechtsanwaltskanzleien in Österreich, weil eine Tabelle mit 900 Zeilen und sieben Ordnern keine Arbeitsweise ist. Und weil Kanzleien ein Werkzeug verdienen, das Widersprüche findet, bevor es nachts jemand mit dem Textmarker tun muss.

Die CloudDNA ist deshalb kein reiner SAP-Zulieferer mehr, sondern eine Werkstatt mit einer wachsenden Produktlinie. Wirtschaftlich mutiger. Menschlich das Ehrlichste, was wir tun konnten.

08Warum LexTailor

Sieben Ordner. Seite 212. Ein Peilsender. 1:40 Uhr.

Verdichtet aus einer wahren Geschichte – und bewusst verfremdet. Namen, Berufe, Orte, Daten, Beträge, Fahrzeuge und Abläufe sind verändert, manches ist hinzuerfunden, damit niemand erkennbar ist. Was geblieben ist, ist der Kern: die Verfahren, die Widersprüche und die Fragen. Und eine Vorbemerkung, die uns wichtig ist: Wegweisungen und einstweilige Verfügungen schützen jedes Jahr viele Menschen, und das zu Recht. Gerade weil sie so viel bewirken, müssen sie auf Tatsachen stehen, die einer Prüfung standhalten. Um diese Prüfung geht es hier – nicht um Schuld.

  1. Szene 1 · Freitag, 22:40 Uhr

    Eine Sporttasche, ein Ladekabel, eine Wegweisung.

    Die Beamten waren höflich, und sie waren schnell. Zehn Minuten, um das Nötigste einzupacken, dann stand Lukas mit einer Sporttasche vor seiner eigenen Haustür. Betretungsverbot, Annäherungsverbot. In der Tasche: zwei Hemden, ein Ladekabel, nicht der Schlüssel zur Werkstatt. Den hat er drei Tage später über einen Anwalt zurückbekommen – und bis dahin seine Leute vor einem versperrten Tor stehen lassen müssen.

    Am Montag kam der Antrag auf einstweilige Verfügung. Vierzehn Seiten, Vorfälle aus drei Jahren, mit Datum, Uhrzeit und Raum. Dazu ein Kontaktverbot. Lukas hat ihn in einer Nacht dreimal gelesen. Beim dritten Mal hat er angefangen, mitzuschreiben.

  2. Szene 2 · Die Tabelle

    Was steht wo. Seit wann. Belegt womit.

    Lukas ist Tischlermeister, mit eigener Werkstatt und elf Leuten. Er misst zweimal und schneidet einmal, und genauso hat er gelesen. Also hat er für jede Behauptung eine Zeile angelegt: welcher Schriftsatz, welche Seite, welches Datum, welcher Beleg dafür oder dagegen. Nach dem ersten Monat hatte die Tabelle 140 Zeilen. Nach einem Jahr über 900. Er wusste nicht, dass er damit von Hand das Datenmodell für Aussagen mit Fundstelle baute. Er wusste nur, dass er es nicht mehr im Kopf behalten konnte.

    Denn es blieb nicht bei einem Verfahren. Verfügung, Rekurs, Scheidung, Unterhalt, Aufteilung, dazu Beilagen in jedem davon. Am Ende waren es weit über vierzig eingebrachte Schriftsätze, auf beiden Seiten. Und sieben Ordner.

  3. Szene 3 · Die Version ändert sich

    Derselbe Abend. Drei Daten. Zwei Räume.

    Im Antrag war es der 3. März, abends, in der Küche. In der Äußerung zum Rekurs der 4. März, im Vorzimmer. Im Protokoll der Einvernahme „an einem Wochenende Anfang März“. Drei Schriftstücke, drei Versionen, zehn Wochen auseinander – und keine davon hat die vorige erwähnt.

    Nicht jede Unstimmigkeit ist eine Lüge. Menschen erinnern sich falsch, Anwälte formulieren um, Daten verrutschen. Aber in diesem Verfahren verrutschte auffällig viel, und fast immer in dieselbe Richtung. Die Software nennt so etwas heute nüchtern einen Positionswechsel – mit beiden Zitaten, Datum und Tagesabstand. Lukas nannte es damals anders.

  4. Szene 4 · Seite 212

    1:40 Uhr. Ordner 5. Eine Gasthofrechnung.

    Der 3. März ließ ihn nicht los. Er wusste, dass er an diesem Abend nicht zu Hause gewesen war. Er konnte es nur nicht beweisen – bis er um 1:40 Uhr in Ordner 5 eine Beilage fand, die beide Seiten seit Monaten mitgeschleppt hatten, ohne sie anzusehen: die Abrechnung einer Montage. Seite 212. Ein Gasthof neben der Baustelle, 190 Kilometer entfernt, Check-in 18:52 Uhr, Abendessen im Restaurant um 20:15 Uhr, auf sein Zimmer gebucht.

    Er hat die Mail geschrieben, die er bis heute aufgehoben hat:

    Von: Lukas An: seine Anwältin Betreff: Ordner 5, Seite 212 Gesendet: 01:52 Antrag auf EV, Punkt 7: „am 3. März gegen 21 Uhr in der Küche“. Ordner 5, Seite 212: Gasthofrechnung vom 3. März, Check-in 18:52. Ist das relevant, oder bin ich nur müde?

    Die Antwort kam um 8:03 Uhr: „Sehr relevant. Das hätten wir gefunden.“ Er glaubt ihr das bis heute. Aber er weiß auch: irgendwann. Und bis dahin lief eine Frist. LexTailor nennt so etwas einen Widerspruch mit Urkunde und legt ihn um 9:14 Uhr ins Cockpit – nicht um 1:40 Uhr auf einen Küchentisch in einer Zweitwohnung.

  5. Szene 5 · Der Rekurs

    Zwei Menschen, zwei Fristenden, beide sicher.

    Gegen die Verfügung ging es in den Rekurs. Lukas fragte, bis wann. Die eine Auskunft lautete Donnerstag, die andere Montag. Beide waren sich sicher. Am Ende hatte eine recht – und niemand konnte ihm in einem Satz erklären, warum. Nicht weil jemand schlampig war, sondern weil es keine Rechnung gab, die man hätte prüfen können. Nur zwei Meinungen.

    Deshalb zeigt LexTailor nie nur ein Datum, sondern den Rechenweg mit Norm, Zeile für Zeile. Und wer eine Frist anlegt, kann sie nicht selbst bestätigen. Der Rekurs ging rechtzeitig hinaus, mit der Gasthofrechnung als Beilage und einer Tabelle der wechselnden Versionen. Die Verfügung wurde eingeschränkt. Das Kontaktverbot fiel.

  6. Szene 6 · Das Pickerl

    Ein schwarzes Kästchen, mit Magneten unter dem Firmenbus.

    Eigentlich war es nur die Pickerl-Überprüfung für den Firmenbus der Tischlerei. Der Mechaniker kam unter der Hebebühne hervor und hielt ihm etwas auf der flachen Hand hin, so wie man jemandem einen verlorenen Schlüssel zurückgibt. Etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel, ein Magnet auf der Rückseite. „Das gehört nicht zum Auto“, sagte er. „Das gehört jemandem, der wissen will, wo das Auto ist.“

    Lukas hat es nicht weggeworfen. Er hat es fotografiert, von allen Seiten, mit Datum, hat den Fund dokumentieren lassen und das Gerät sicher verwahrt – in einem Gefrierbeutel. Und dann hat er etwas getan, das viele überrascht: Er hat nicht sofort Anzeige erstattet. Der Bus gehört dem Betrieb. Wer ihn ortet, ortet auch Baustellen, Kundentermine, Lieferanten und Angebotsgespräche eines Unternehmens – und was das wirtschaftlich bedeutet, kann kein Betroffener selbst beziffern, das muss ein Sachverständiger bewerten. Wer sich einem Strafverfahren als Privatbeteiligter anschließt, muss seinen Schaden spätestens bis zum Schluss des Beweisverfahrens beziffern. Lukas wollte die Zahl auf dem Tisch haben, bevor er die erste Zeile schreibt. Also zuerst das Gutachten. Dann die Anzeige.

    In der Zwischenzeit tat er, was er immer tut: Er legte eine neue Tabelle an. Spalte A: Datum. Spalte B: wo der Bus stand. Spalte C: wer davon wissen konnte.

  7. Szene 7 · Ein Detektiv ja, ein Peilsender nein

    Zwei Antworten, eine Positionsangabe, eine Frage.

    Auf die Frage, ob Lukas überwacht worden war, gab es von der Gegenseite zwei Antworten. Die erste: Ja, man habe einen Detektiv beauftragt. Das wurde zugegeben. Die zweite: Ein Peilsender? Nein. Das wird bestritten.

    Spalte C blieb trotzdem nicht leer. Denn in einem anderen Akt, weit weg von den Schriftsätzen, findet sich eine Angabe, die die Gegenseite gegenüber der Polizei gemacht hat: eine exakte Position des Busses. Aktenkundig, mit Datum. Ein Satz in einem Protokoll, den im Familienverfahren niemand neben die anderen gelegt hatte – weil er in einem anderen Ordner stand.

    Eine einzelne Angabe ist kein Beweis, und ein Detektiv kann vieles sehen. Aber die Frage, die sich Lukas ab da stellte, war keine juristische, sondern eine sehr menschliche: Woher kam diese Genauigkeit? Und wer wusste davon?

  8. Szene 8 · Die Honorarnote

    Bezahlt wurde fürs Suchen. Nicht fürs Denken.

    Lukas hat seiner Anwältin nie eine Stunde Denken missgönnt. Sie war hervorragend. Aber er hat die Honorarnoten gelesen – er liest alles, siehe Szene 2. „Aktenstudium.“ „Durchsicht der Beilagen.“ „Abgleich mit dem Vorbringen.“ Ein guter Teil davon war Suchen.

    Suchen ist die einzige anwaltliche Tätigkeit, die der Mandant nicht bezahlen und die Anwältin nicht machen will.

    Das ist der eigentliche Grund für dieses Produkt. Nicht die KI. Sondern die Frage, warum zwei kluge Menschen – eine Juristin und ein Mandant mit Textmarker – nachts dieselbe Arbeit machen, die eine Datenbank erledigen könnte, wenn man ihr nur beibringt, was eine Aussage ist.

  9. Szene 9 · Die IT-Frage

    „Kann man das nicht durchsuchbar machen?“

    So kam Lukas zu uns: über einen gemeinsamen Bekannten, mit sieben Ordnern im Kofferraum und einer IT-Frage. Ob man das nicht einscannen und durchsuchbar machen könne. Konnten wir. RecordTailor lag damals schon da – unser Dokumentenmanagement, das Belege liest statt nur speichert.

    Aber nach einem Abend war klar, dass Volltextsuche nicht reicht. „3. März“ findet man. Dass der 3. März im Antrag und der 4. März in der Äußerung derselbe Vorfall sein sollen, findet man nicht. Dafür braucht es eine Software, die weiß, was eine Aussage ist, wer sie wann gemacht hat und wo sie steht – und die daraus eine Chronologie baut, in der das Bestrittene rot ist.

  10. Szene 10 · Pilot Flying, Pilot Monitoring

    Niemand verlässt sich auf sich selbst.

    In der Fliegerei – aus der ich komme, siehe Kapitel 01 – fliegt einer und der andere überwacht. Keine Höhe wird eingestellt, die der andere nicht bestätigt hat. Und wenn eine Anzeige etwas meldet, das nicht stimmen kann, sagt man es – auch dem Kapitän.

    Das ist die Architektur von LexTailor: Die KI liest mit und schlägt vor, der Berufsträger entscheidet. Eine Fundstelle, die das RIS nicht kennt, wird gestrichen, nicht geglättet. Unbestätigte Wertgrenzen ergeben „unbekannt“, nie „zulässig“. Die Aktenhistorie kann niemand nachträglich ändern. Lieber ein ehrliches „weiß ich nicht“ als ein falsches „passt schon“.

  11. Szene 11 · Was daraus wurde

    Die Ordner stehen im Keller. Die Akte steht in der Datenbank.

    Lukas geht es gut. Die familienrechtlichen Verfahren sind abgeschlossen, die Scheidung ist durch, der Vergleich hält. Die sieben Ordner stehen in seinem Keller, und er hat sie seither nicht mehr geöffnet. Die Tabelle mit den 900 Zeilen hat er uns geschenkt. Sie war die erste Spezifikation. Nur ein Ordner ist noch offen – der mit dem Gefrierbeutel und dem Gutachten.

    Im Sommer 2026 haben wir die Akte gebaut, die er damals gebraucht hätte: Fristenbuch mit Rechenweg, Aussagen mit Zitat, Widersprüche, Positionswechsel, eine Historie, die niemand ändern kann, und einen Schriftsatz-Assistenten, der lieber eine Lücke ausweist, als sie zu füllen. Dazu eine Vorführkanzlei mit sieben Akten – frei erfunden, damit niemand Lukas' Ordner sehen muss.

    Wer heute so ein Verfahren führt – egal, auf welcher Seite des Schreibtischs –, soll Seite 212 nicht um 1:40 Uhr finden müssen. Sondern um 9:14 Uhr, als Karte mit beiden Zitaten. Und dann schlafen gehen.

  12. Szene 12 · Eine der ersten echten Akten

    Monate Arbeit, eine Anzeige, keine Behauptung ohne Fundstelle.

    Eine der ersten Akten, mit denen LexTailor in der Praxis lief, war keine Vorführakte. Es war der Ordner mit dem Gefrierbeutel. Lukas hat ihn gemeinsam mit seiner neuen Anwältin über Monate aufgebaut, abends nach der Werkstatt, – nicht aus Rache, sondern weil er wissen wollte, ob er sich das alles nur einbildet. Genau dafür ist die Software gebaut: Sie sagt Ihnen nicht, was Sie hören wollen. Sie zeigt Ihnen, was in der Akte steht.

    Also wurde jede Angabe – aus den Schriftsätzen, den Protokollen, dem Polizeiakt und dem Bericht über den Fund – zur Aussage mit Zitat und Seite. Die Chronologie legte sie nebeneinander: was die Gegenseite über den Detektiv sagt, was sie über den Peilsender sagt, und die Positionsangabe gegenüber der Polizei. Was zusammenpasste, wurde markiert; was nicht passte, ebenso – eine Anzeige, die nur die Treffer zeigt, überzeugt niemanden. Als Beilage dazu: das Gutachten des Sachverständigen zum wirtschaftlichen Schaden.

    Dann die rechtliche Seite, und zwar ohne ein einziges Zitat, das das RIS nicht kennt. Heimliche GPS-Ortung greift nach der Rechtsprechung des OGH erheblich in die Privatsphäre ein: Schon die Ortung eines Dienstwagens ohne Zustimmung des Fahrers war für den OGH ein Eingriff in den höchstpersönlichen Lebensbereich und begründete Schadenersatz nach § 1328a ABGB (9 ObA 120/19s) – und dort ging es um einen Arbeitgeber, nicht um die Gegenseite in einem Scheidungsverfahren. Strafrechtlich kommen in Österreich vor allem zwei Bestimmungen in Betracht: die Datenverarbeitung in Schädigungsabsicht nach § 63 DSG und – wenn die Überwachung über längere Zeit die Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt – die beharrliche Verfolgung nach § 107a StGB. Ob eine Verfolgung „beharrlich“ ist, misst der OGH an der Belastung für das Opfer, an Zahl, Dauer und Abständen der einzelnen Handlungen (13 Os 43/14v) – deshalb steht in der Chronologie jeder einzelne Tag, der sich belegen lässt, und kein einziger, der sich nicht belegen lässt. Strafbar ist dabei nicht nur, wer das Gerät anbringt: Nach § 12 StGB haftet auch, wer einen anderen dazu bestimmt oder dazu beiträgt.

    Zwei Dinge hat die Recherche ebenfalls gezeigt – und LexTailor hat sie nicht weggelassen, nur weil sie unbequem sind. Erstens: Ein OGH-Urteil, das heimliche Peilsender ausdrücklich als beharrliche Verfolgung einordnet, fand die Recherche nicht. Der deutsche Bundesgerichtshof hat Peilsender von Detekteien zwar für strafbar erklärt (1 StR 32/13), aber das ist deutsches Recht – ein Vergleich, keine Fundstelle für Österreich. Zweitens: Was so beschafft wurde, darf im Zivilprozess trotzdem verwendet werden. Der OGH ließ etwa Abschriften heimlich aufgenommener Telefonate als Beweis zu (1 Ob 172/07m). Deshalb gehört die Frage, wie die Gegenseite an ihr Wissen kam, nicht in den Scheidungsakt. Sie gehört zur Staatsanwaltschaft.

    Und wer hinter dem Gerät steckt? Die Anzeige beantwortet das nicht. Sie stellt die Frage – mit allem, was in der Akte steht, und mit nichts darüber hinaus. Ob ein Verdacht besteht und gegen wen, entscheidet die Staatsanwaltschaft. Nicht Lukas. Nicht wir. Und ganz sicher nicht eine Website.

    Die Sachverhaltsdarstellung: eine Chronologie, eine Gegenüberstellung, ein Gutachten, ein Gerät im Gefrierbeutel und eine Liste von Fragen. Jede Tatsachenbehauptung mit Beleg aus der Akte, jede Fundstelle gegen das RIS geprüft – Gate A und Gate B, wie bei jedem Schriftsatz. Wie es ausgeht, ist offen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

    Lukas sagt, das Wichtigste an den Monaten mit der Akte war nicht die Anzeige. Sondern dass er nachts wieder schläft – weil die Frage jetzt dort liegt, wo sie hingehört.

Die Geschichte von Lukas ist verdichtet aus einer wahren Geschichte und bewusst verfremdet. Namen, Berufe, Orte, Daten, Beträge, Fahrzeuge und Abläufe sind verändert, einzelne Details hinzuerfunden; Personen der Gegenseite sind weder benannt noch beschrieben. Niemand soll sich darin wiederfinden – außer vielleicht in der Situation. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Die rechtlichen Hinweise sind vereinfacht und ersetzen keine Rechtsberatung.

„Jede Aussage. Jeder Widerspruch. Jedes OGH-Urteil.“ Kein Slogan – eine Lehre aus sieben Ordnern.

Die Familie der Tailors

Elf Geschwister – jeder für sein Handwerk.

Jeder Tailor teilt mit den Geschwistern die Grundlagen: denselben Sicherheitskern, dieselbe DSGVO-Konformität, dieselbe EU-Datenhaltung, dieselbe KI-Schicht. Aber die Sprache ist eine andere. ImmoTailor spricht von Stiegen und Tops, TaxTailor von Kanzleiprozessen, JournalTailor von Soll und Haben – und LexTailor von Geschäftszahlen, Rechtssätzen und Notfristen.

Fundstellen auf dieser Seite

Die hochgestellten Ziffern im Text verweisen hierher. Antippen zeigt die Fundstelle direkt an der Textstelle, alle Fundstellen der Website stehen gesammelt auf einer Seite.

  1. 1

    Aussagen mit wörtlichem Zitat ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L04 · geprüft am 15.10.2026

  2. 2

    Positionswechsel einer Partei ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L05 · geprüft am 15.10.2026

  3. 3

    Widerspruchs-Engine ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L06 · geprüft am 15.10.2026

  4. 4

    Fristenbuch mit Rechenweg ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L03 · geprüft am 15.10.2026

  5. 5

    Vier-Augen-Bestätigung als Datenbankregel ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L03 · geprüft am 15.10.2026

  6. 6

    § 67 StPO – Privatbeteiligung ↑Gesetz · RIS, Strafprozessordnung 1975 · geprüft am 15.10.2026

  7. 7

    Chronologie aus den Dokumenten ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L04 + L06 · geprüft am 15.10.2026

  8. 8

    Jede Fundstelle wird gegen das RIS geprüft ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L07 · geprüft am 15.10.2026

  9. 9

    Wertgrenzen nur nach Bestätigung ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite, Programm-Master · geprüft am 15.10.2026

  10. 10

    Lückenlose Aktenhistorie ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L05 · geprüft am 15.10.2026

  11. 11

    Vorführkanzlei ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Vorführkanzlei und Regieheft · geprüft am 15.10.2026

  12. 12

    OGH 9 ObA 120/19s – heimliche GPS-Ortung verletzt die Privatsphäre ↑Recht · RIS-Justiz, OGH 22.01.2020, 9 ObA 120/19s · geprüft am 15.10.2026

  13. 13

    § 63 DSG – Datenverarbeitung in Gewinn- oder Schädigungsabsicht ↑Gesetz · RIS, Datenschutzgesetz · geprüft am 15.10.2026

  14. 14

    § 107a StGB – Beharrliche Verfolgung ↑Gesetz · RIS, Strafgesetzbuch · geprüft am 15.10.2026

  15. 15

    OGH 13 Os 43/14v – woran sich „beharrlich“ bemisst ↑Recht · OGH 13 Os 43/14v (Bericht Jusguide) · geprüft am 15.10.2026

  16. 16

    § 12 StGB – Behandlung aller Beteiligten als Täter ↑Gesetz · RIS, Strafgesetzbuch · geprüft am 15.10.2026

  17. 17

    BGH 1 StR 32/13 – Peilsender durch Detekteien (Deutschland) ↑Recht · Bundesgerichtshof, Urteil vom 04.06.2013, 1 StR 32/13 (Bericht LTO) · geprüft am 15.10.2026

  18. 18

    OGH 1 Ob 172/07m – heimlich Aufgenommenes im Zivilprozess ↑Recht · RIS-Justiz, OGH 29.01.2008, 1 Ob 172/07m · geprüft am 15.10.2026

  19. 19

    Schriftsatz- und Rechtsmittel-Assistent ↑Produkt · LexTailor Produktdokumentation, Legal Suite L09 · geprüft am 15.10.2026

Häufige Fragen

Fragen zur CloudDNA.

Wer steht hinter LexTailor?
CloudDNA GmbH aus Loipersdorf im Südburgenland, gegründet von Martin Koch – ehemals Linienpilot und Fluglotse, danach SAP-Berater und Autor bei SAP Press. Das Team umfasst 24 Menschen.
Warum gibt es LexTailor?
Weil ein Mandant mit sieben Ordnern und einer Tabelle mit 900 Zeilen zeigte, dass Volltextsuche nicht reicht: Eine Kanzlei braucht eine Software, die weiß, was eine Aussage ist, wer sie wann gemacht hat und wo sie steht – und die Widersprüche findet, bevor es nachts jemand mit dem Textmarker tun muss.
Wie setzt die CloudDNA KI ein?
Täglich in der Entwicklung, unter anderem mit Claude von Anthropic, und in den Produkten nach festen Regeln: Die KI schlägt vor, ein Mensch entscheidet; jede Aktion steht im Prüfpfad; Daten bleiben, wo sie hingehören.